Im Juni 2020 wurde ein neues Projekt beim Waidfärben in Angriff genommen. Für das Museum sollten ja mehrere mit Brettchen gewebte Borten nach historischen Vorbildern hergestellt werden. Dabei  durfte natürlich eine Borte nicht fehlen, die eigentlich keine Borte war sondern vielmehr ein Gürtel. Dieser hat Erfurt-Bezug, ist er doch Bestandteil des Erfurter Schatzes und war damals während des Progroms von 1349 mit weiteren Schmuckstücken vergraben worden. Gewebereste deuteten bei einem der vier Gürtel darauf hin, dass dieser mit Indigo (Waid) gefärbt und aus Seide hergestellt war.

Bisher hatten wir Wolle - sowohl versponnene als auch Rohwolle - gefärbt, sowie Baumwollgarne. Wir kauften also Seidengarn und begannen mit dem Färben. Da unser Waidbeet nicht so viel Blattmasse hervor gebracht hatte, um damit färben zu können, sollte mit Waidpulver gefärbt werden.

Zur Vorbereitung unserer Färberei am Museum wurde die Seide in Wasser eingeweicht und Wasser in unserem kleinen Färbetopf erwärmt.

Nachdem die Temperatur etwa 55 °C erreicht hatte kam nun das Waidpulver als erste Zutat unserer Küpe ins Wasser. Wie man ganz gut erkennen kann, ist das Waidpulver, also Indigo, nicht wasserlöslich, dazu braucht es eine weiter Zutat. Wir arbeiten mit Waschsoda - das riecht dann so wunderbar nach Waschküche.

Anschließend wird die Flüssigkeit stark gerührt und Sauerstoff hinein gebracht. Durch das Waschsoda schäumt das Ganze blau auf. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich das Indigopulver im Wasser gelöst hat. Um damit färben zu können, muss der Indigo nun wieder in seine farblose Form rückgeführt werden, indem man den Sauerstoff in der Flüssigkeit entzieht und Natriumdithionit zugibt - unsere dritte Zutat. Nach einiger Zeit ist der Schaum fast vollständig verschwunden und die Flüssigkeit verfärbt sich grün-gelblich. Jetzt kann man mit dem Färben beginnen.

Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell sich das Färbegut verändert, sobald man es aus der Küpe nimmt und es mit Sauerstoff in Berührung kommt. Der Farbumschlag vom Gelbgrün der Küpe zu einem Blauton läuft wie in einem Zeitraffer-Film ab und geht manchmal so schnell, dass man den Prozess nicht auf Film bannen kann.