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Mit dem 8. Oktober war der Tag unserer Herbstfahrt heranger├╝ckt. Diesmal waren wir unterwegs nach Magdeburg. Mit der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts besuchten wir im Rahmen unserer Vereinsfahrten die zweite Stadt, welche an der Elbe lag. Im Vorjahr hatten wir Mei├čen bereits einen Besuch abgestattet.

 

Treffpunkt Bushaltestelle

Wir hatten uns um 7.00 Uhr an der Hochstedter Bushaltestelle verabredet, wo auch p├╝nktlich auf die Minute, der Bus von Becker-Reisen eintraf. Das war ganz gut so, denn es hatte wenige Minuten vorher angefangen zu nieseln. Schnell waren wir im Bus verschwunden, welcher sich als das "Flaggschiff" der Becker-Flotte entpuppte. Es war der modernste Bus mit dem wir bisher jemals unterwegs gewesen waren.

Im Bus Kaffeepause
Ankunft an den Schleusen

F├╝r unseren Ausflug hatten wir einen Bus f├╝r 30 Mitfahrer gebucht. Dass nun ein gro├čer Bus zur Verf├╝gung stand, machte das Reisen um so sch├Âner, denn alle hatten mehr als genug Platz. Wir fuhren ├╝ber die Autobahn 4 zum Hermsdorfer Kreuz und folgten von dort dem Verlauf der A 9 in Richtung Berlin bis zum Autobahnkreuz Schkeuditz. Von dort ging es weiter auf der A14 bis nach Magdeburg. Unterwegs legten wir eine Kaffeepause ein und stellten dabei fest, dass wir den Regen hinter uns gelassen hatten. Ab Halle hatte sich der Himmel merklich ver├Ąndert - er war heller geworden. Und gerade als wir unsere Keffeepause eingelegt hatten lugte zum ersten Mal die Sonne zwischen den Wolken hervor.

Wir erreichten wenige Minuten nach 10.00 Uhr den vereinbarten Treffpunkt mit unserem Reisef├╝hrer an der Autobahnabfahrt Magdeburg-Rothensee. Herr Hamsch vom Magdeburger Tourismusb├╝ro Touralis sollte uns w├Ąhrend unseres Aufenthalts begleiten und uns Magdeburg mit seinen Sehensw├╝rdigkeiten n├Ąher bringen.

Bis zur ersten dieser Sehensw├╝rdigkeiten war es nicht mehr weit und nach etwa zehn Minuten hatten wir das Ziel schon erreicht: das Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee.

Informationen

Der Reiseleiter begann vor einer Informationstafel mit seinen Erl├Ąuterungen zum Schiffshebewerk. Es stellte ein wichtiges Bindeglied im Schiffsverkehr zwischen Hannover, Magdeburg und Berlin dar. Bereits 1877 wurde die Idee geboren, den Mittellandkanal im Westen mit dem ├Âstlich von Magdeburg gelegenen Elbe-Havel-Kanal zu verbinden. Der Bau einer Kanalbr├╝cke und eines Schiffshebewerkes bei Hohenwarthe sowie dem hier in Rothensee begann in der Mitte der 1930er Jahre. Der Krieg verhinderte die Fertigstellung und nur das Schiffshebewerk Rothensee ging in Betrieb.

Seitdem konnte die Verbindung zwar genutzt werden, jedoch die Schiffe mussten bis 2003 einen 12 km Umweg ├╝ber die Elbe in Kauf nehmen. Dieser Umweg gestaltete sich wegen der verschiedenen Pegelst├Ąnde der Elbe oft schwierig. So musste etwa bei Niedrigwasser die Ladung gel├Âscht und per LKW weiter transportiert werden, w├Ąhrenddessen das leere Schiff die Flachstellen im Fluss passierte. Anschlie├čend wurde neu verladen und die Fahrt konnte fortgesetzt werden.

Erst mit der Fertigstellung des Wasserstra├čenkreuzes im Jahr 2003 konnten Schiffe ungehindert ├╝ber die Elbe hinweg verkehren.

 


 

Ein St├╝ck die Stra├če hinauf lag das alte Schiffshebewerk mit den vier Spindeln, die den 85 Meter langen, 12 Meter breiten und 5400 Tonnen schweren Trog nach oben und unten bef├Ârderten. Dabei wurde ein H├Âhenunterschied von durchschnittlich 16m ├╝berwunden. 8 Motoren treiben dabei die Technik an, wobei der Trog auf zwei Tragger├╝sten ruht, unter denen sich wiederum zwei┬áriesige st├Ąhlerne Schwimmk├Ârper befinden. Diese schwimmen in 70m tiefen, mit Wasser gef├╝llten┬áSch├Ąchten und sorgen f├╝r den n├Âtigen Auftrieb. Heute ist diese Technik nicht mehr in Benutzung, weil sie f├╝r die modernen Schiffe zu kurz sein soll. Man hatte das technische Material auf Abrieb, also seine Abnutzung untersucht und festgestellt, dass die seit 1938 in Betrieb befindlichen Verschlei├čteile in ausgezeichnetem Zustand waren. Der Abrieb war so gering, dass mit einem Ersatz der Teile erst in 600 Jahren zu rechnen w├Ąre!

Am alten Schiffshebewerk

Ungeachtet dieser Tatsache und der, dass die meisten Frachter, die heute das Wasserstra├čenkreuz passierten nicht auf eine L├Ąnge von ├╝ber 82 Metern kommen, hat man die alte Schleuse aus dem Verkehr genommen, nachdem man f├╝r viele Millionen Euro daneben eine neue Sparschleuse gebaut hatte, die seit 2001 Unsummen an Energiekosten verschlingt.

An der neuen Schleuse
Blick hinunter zum Schleusentor

Wir setzten unseren Weg zur neuen Schleuse fort und blieben an der Stelle stehen, von wo man hinunter zum gro├čen Schleusentor blicken konnte. Der Reiseleiter meinte, wenn man genau ins Wasser hineinschauen w├╝rde, k├Ânne man unz├Ąhlige Brillen, Handys und auch Gebisse auf dessen Grund liegen sehen. Alle lachten und bem├╝hten sich, Sehhilfen und Gebisse┬á nicht zu verlieren.

Am Schleusenturm

 


 

 

Von dort begannen wir mit dem Aufstieg auf den nebenan hoch aufragenden Aussichtsturm. Nicht alle machten sich auf den Weg nach oben. Da sie entweder nicht so gut zu Fu├č oder aber h├Âhen├Ąngstlich waren, blieben einige am Fu├č des Turms stehen und beobachteten von unten die Kletterei der anderen.

Aufstieg auf den Aussichtsturm
Auf dem Turm

Oben angekommen, pr├Ąsentierte sich unter dem mittlerweile blauen Himmel eine herrliche, wenn auch sehr windige Aussicht auf die neuen Schleusenanlagen. Der Reiseleiter informierte uns ├╝ber das Bauwerk und erkl├Ąrte das Prinzip einer Sparschleuse. Bei dieser werden in den neben der 190m langen Schleusenkammer liegenden Sparbecken 60% des Wassers zur├╝ckgehalten und bei der n├Ąchsten Schleusung wiederverwendet.

Nachdem wir uns gen├╝gend umgesehen hatten machten wir uns wieder an den Abstieg, um zum Bus zu gehen.

Etwas zerzaust vom Wind aber mit guter Laune setzten wir unseren Ausflug fort. Mit dieser oder jener kleinen St├Ąrkung ging es weiter zum Wasserstra├čenkreuz, dem Kanal ├╝ber die Elbe. Wir fuhren etwa zwanzig Minuten, ├╝berquerten dabei mehrfach den Mittellandkanal und stiegen direkt am Kanal aus.

 

St├Ąrkung Mittellandkanal

 

 


 

Gleich dort wo der Bus stehen geblieben war erhob sich ein Erdwall mit einer Treppe, die wir hinauf stiegen. Oben angelangt standen wir schon beinahe auf der Trogbr├╝cke des Mittellandkanals ├╝ber die Elbe, der gr├Â├čten Stahlbaukonstruktion Europas und der mit 918m┬ál├Ąngsten Kanalbr├╝cke der Welt.

Das Bauwerk beeindruckte durch seine Gr├Â├če, noch mehr aber durch die Aussicht auf die Wasserkreuzung selbst. Man kennt Stra├čen- und Wegkreuzungen oder auch solche, wo die Bahn eine Stra├če ├╝berquert, aber ein Wasserstra├čenkreuz war schon ungew├Âhnlich. Wegen der L├Ąnge der Br├╝cke musste das Bau-Material flexibel sein, um die, bedingt durch Temperaturschwankungen, auftretenden Dehnungen und Stauchungen von immerhin einem Meter ausgleichen zu k├Ânnen. Der Reisef├╝hrer erkl├Ąrte uns dies, direkt auf einer der Dehnungsfugen stehend.

Auf der Dehnungsfuge
Auf der Br├╝cke Ein Schiff ├╝berquert auf dem Kanal die Elbe
Aussicht auf die unten flie├čende Elbe Weg unter die Br├╝cke

Kurz hintereinander befuhren zwei Schiffe den Kanal, der ├╝ber die Elbe f├╝hrte und demonstrierten damit die Funktion der Trogbr├╝cke recht anschaulich.

 


 

Nach einem letzten Blick auf die unter dem Mittellandkanal dahin flie├čende Elbe verlie├čen wir die Br├╝cke und gelangten ├╝ber eine weitere Treppe unter den gewaltigen st├Ąhlernen Trog.

Treppe hinunter zur Elbe
Unter der Br├╝cke
Blick zur├╝ck auf die Wasserstra├čenkreuzung

Der Reiseleiter erkl├Ąrte uns, als wir unter der Br├╝cke angelangt waren, dass sich ├╝ber unseren K├Âpfen 152.000 Tonnen Stahl und Wasser befinden w├╝rden, das Bauwerk jedoch sogar ein Erdbeben von einer Magnitude mit mehr als 8 auf der Richter-Skala unbeschadet ├╝berstehen soll und es somit erdbebensicher sei. Allerdings z├Ąhlte die ausf├╝hrende Baufirma auch den U-Bahntunnel in K├Âln, der vor einigen Jahren zum Einsturz einiger Geb├Ąude f├╝hrte zu seinen Projekten ...

Wir verlie├čen im Bus das Wasserstra├čenkreuz und fuhren durch das Industriegel├Ąnde am Magdeburger Hafen. Hier wurden die weltweit gr├Â├čten Windr├Ąder gebaut und dann auch per Schiff abtransportiert.

Weltweit gr├Â├čtes Windrat
Windrat-Teile Treibstofftanks
Ehemals gr├Â├čter G├╝terbahnhof Dampflokomobil als Denkmal

Wir kamen an riesigen Treibstofftanks vorbei und fuhren auf einer Br├╝cke ├╝ber die Gleise des zu DDR-Zeiten gr├Â├čten G├╝terbahnhof des Landes.

Auf einem Platz erinnerte ein dort als Denkmal aufgebautes Dampflokomobil an die Fertigung dieser Maschinen in Magdeburg im 19. Jahrhundert. Damit lie├čen wir das Industriegebiet hinter uns.

 


 

Wenig sp├Ąter hatten wir das Stadtzentrum erreicht, wo wir den Bus verlie├čen um uns auf den Weg zum Rathaus machten. Dort wartete im Ratskeller das Mittagessen auf uns. Zuvor hatte der Reiseleiter noch einiges zum Magdeburger Reiter zu sagen, der, mit Blick auf das Rathaus, vor dem Geb├Ąude auf dem Alten Markt stand.

Ankunft im Stadtzentrum Weg zum Rathaus
Vor dem Rathaus
Der Magdeburger Reiter

Es wird vermutet, dass die Skulptur Kaiser Otto den Gro├čen bei seinem Einzug in die Stadt zeigt. Flankiert wird die Statue von zwei weiblichen Gestalten, von denen die eine eine Fahnenlanze und die andere einen Schild mit Reichsadler tr├Ągt. Beides sind Insignien des Kaisers. Da die Skulptur vor dem Gerichtsplatz aufgestellt worden war vermutet man, dass sie auch die vom Kaiser verliehene Gerichtshoheit verdeutlichen soll. Beim Magdeburger Reiter handelte es sich um das erste freistehende Reiterstandbild n├Ârdlich der Alpen. Seine Entstehung geht auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zur├╝ck. Heute steht jedoch auf dem Alten Markt eine Kopie aus dem Jahr 1966, w├Ąhrend sich das Original im Kulturhistorischen Museum von Magdeburg befindet. Der barocke Baldachin ersetzte seit dem Jahr 1561 einen fr├╝heren gotischen und die darin befindliche Reiter-Skulptur wurde im Jahr 2000 vergoldet.

Im Ratskeller
Rathaus Skulptur des Roland und Eulenspiegel

Nach der St├Ąrkung im Ratskeller ging die F├╝hrung vor dem Rathaus weiter, denn dort stand eine weitere Skulptur, die des Roland, welche eine Gerichtsst├Ątte symbolisiert. In dessen R├╝cken war die kleinere Figur des Till Eulenspiegel zu sehen. Der Reiseleiter gab auch gleich in diesem Zusammenhang die passende Geschichte zum Besten. So habe Eulenspiegel die ganze Stadt zum Narren gehalten, als er verk├╝ndete vom Rathaus fliegen zu wollen. Beinahe alle Einwohner der Stadt hatten sich auf dem Alten Markt versammelt um dem Schauspiel zuzusehen. Als es schlie├člich soweit war, zeigte Eulenspiegel den B├╝rgern sein nacktes Hinterteil und verspottete sie so - er hatte sie verarscht.

 

 


 

Otto von Guericke Dr Eisenbarth

Auf dem Weg zur├╝ck zum Bus machten wir an zwei Denkmalen Halt, welche jeweils an eine Figur aus der Magdeburger Geschichte erinnerten. Zun├Ąchst gelangten wir an das Denkmal des Otto von Guericke, der im Zusammenhang mit dem physikalischen Begriff "Vakuum" von sich Reden gemacht hatte. Wer kennt ihn nicht, den Versuch mit den zwei Halbkugeln? Die zwei Kugel-H├Ąlften wurden zusammengepresst und aus dem darin befindlichen Hohlraum die Luft abgesaugt. Der Unterdruck hielt beide Kugelh├Ąlften zusammen, sogar dann noch als mehrere Pferde versuchten die in der Mitte befindliche Kugel zu trennen.

Das zweite Denkmal, in Form eines Brunnens, galt dem Dr. Eisenbarth der an dieser Stelle ein Haus besessen hatte. Eisenbarth war ein bekannter Wundarzt, der durch seine Heilerfolge zu Ruhm gelangte. Er machte auch Station in Erfurt, wo er sich sogar als Stadtarzt bezeichnete. 1703 wurde er B├╝rger von Magdeburg und gr├╝ndete hier die erste deutsche pharmazeutische Fabrik.

Am Brunnen ist ringsum das Spottlied "Ich bin der Doktor Eisenbarth" nachzulesen, welches lange nach dem Tode Eisenbarths entstanden ist. Sein Inhalt nimmt eher einen Kurpfuscher auf die Schippe, der durch die Lande zieht und gro├čspurig seine Kunst anpreist, wobei zuerst auf das Leiden eingegangen wird und sp├Ąter in scherzhafter Weise auf den Therapie-Weg. Einzig das Umherziehen und das wohl etwas lautstarke Anpreisen seines K├Ânnens hat der Eisenbarth des Liedes mit dem historischen gemein.

Aus dem Lied:


Ich bin der Doktor Eisenbart, widewidewitt, bumm,bumm.
Kurier die Leut┬┤ auf meine Art, widewidewitt, bumm,bumm.
Kann machen, dass die Blinden gehen
und dass die Lahmen wieder sehn.

Gloria, Victoria, widewidewitt, jucheirassa !
Gloria, Victoria, widewidewitt, bumm, bumm !  

Es hat ein Mann in Langensalz',  widewidewitt, bumm,bumm.
`nen zentnerschweren Kropf am Hals, widewidewitt, bumm,bumm.
den schn├╝rt ich mit dem Waschseil zu,
probatum est: - nun hat er Ruh┬┤.

Gloria, Victoria, widewidewitt, jucheirassa !
Gloria, Victoria, widewidewitt, bumm, bumm ! ...

Mit dem Bus ging es jetzt weiter durch Magdeburg und ├╝ber die zwei Arme der Elbe, ├╝ber die Stromelbe, mit ihrer, wie der Name schon sagt, st├Ąrkeren Str├Âmung (immerhin gibt es auf dem Weg durch die Stadt zwei Meter Gef├Ąlle) und der langsam dahin flie├čenden Alten Elbe. Dazwischen liegt die Marieninsel, auf der wir eine Runde mit dem Bus drehten.

Blick zum Magdeburger Dom und zur Johanniskirche
Der am l├Ąngsten in Betrieb gewesene Seitenraddampfer - die "W├╝rttemberg" Alte Messehallen

Ab und zu hatte man einen sch├Ânen Blick ├╝ber die Elbe auf die dahinter aufragenden T├╝rme des Doms oder anderer Kirchen. Wir fuhren auch an der MS W├╝rttemberg vorbei. Dieser Seitenraddampfer war der, der am l├Ąngsten auf der Elbe unterwegs gewesen war. Erst 1974 wurde er zum Museum umgebaut.

Das alte Messegel├Ąnde mit seiner eigenwilligen Architektur lag ebenfalls in der N├Ąhe des Elbufers. Der Reiseleiter wies uns auf die Architektur eines ganzen Stadtteils hin, der im Bauhausstil errichtet worden war. Ein St├╝ck weiter fuhren wir am Elbauenpark vor├╝ber, welcher 1999 die Bundesgartenschau beherbergte. Von dieser Schau ist der Jahrtausendturm ├╝brig geblieben, der mit seinen 60 Metern H├Âhe das h├Âchste deutsche Holzgeb├Ąude darstellt.

Bauhausstil Jahrtausendturm
Oberfinanzdirektion Grundmauern eines Stadttores

An unserer Strecke lag auch das Geb├Ąude der Oberfinanzdirektion mit einer au├čergew├Âhnlichen Fassadengestaltung. Der Reiseleiter sprach von Kellen und meinte damit das Kunstwerk am Bau. Die Beh├Ârde, die eigentlich die ├Âffentlichen Ausgaben ├╝berwachen sollte, genehmigte sich diese Kunst, die dem K├╝nstler mehrere hunderttausend Euro in die Kasse sp├╝lte. Ein St├╝ck weiter kamen wir an den Grundmauern eines ehemaligen Stadttores vor├╝ber.

 


 

Wir fuhren auf dem Breiten Weg, der wohl einstmals,┬ámit einer L├Ąnge von etwa zwei Kilometern, zu den pr├Ąchtigsten barocken Stra├čen Deutschlands geh├Ârte. Eine totale Zerst├Ârung im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg hatte der Stra├če diese prachtvolle Bebauung beschert. Der Reisef├╝hrer berichtete, dass die barocke Pracht, den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen waren.

Es gab eine Geschichte ├╝ber Breiten Weg, die der Reisef├╝hrer uns unbedingt erz├Ąhlen musste: So soll es sich am Anfang des 17. Jahrhunderts zugetragen haben, dass die Mieten in der Ladenstra├če immens gestiegen waren und die H├Ąndler deshalb so sauer waren, dass sie ihre sieben Sachen packten, um mit ihrem Hab und Gut per Schiff nach Hamburg zu schippern. Von dort ging es nach Amerika nach Nieuw Amstderdam. Dort siedelten sie alle in einer Stra├če und in der Reihenfolge, wie ihre Gesch├Ąfte einst in Magdeburg gestanden hatten. Die Stra├če wurde schlie├člich wegen den Magdeburgern in Breedeweg umbenannt, was auf holl├Ąndisch nichts anderes als Breiter Weg bedeutet.

1664 eroberten die Briten die Stadt und gaben ihr den Namen New York. In diesem Zusammenhang wurde aus der holl├Ąndischen Bezeichnung der Stra├če der Magdeburger H├Ąndler eine englische und sie hie├č fortan Broadway.

Vermutlich ist die Geschichte eher eine Legende - obwohl, wissen kann man's nicht und der Reisef├╝hrer war ganz stolz.

Breiter Weg Denkmal des Friedrich Wilhelm von Steuben

Wenige Augenblicke sp├Ąter gab es erneut Anlass stolz zu sein und eine Geschichte zum Besten zu geben. Auch diese drehte sich um Amerika. Wir hielten kurz neben einem Denkmal, welches einen Mann zeigte. Der Reisef├╝hrer erkl├Ąrte, dass es sich dabei um die Statue des Friedrich Wilhelm von Steuben handelte, der 1730 in der Magdeburger Festung als Sohn eines Hauptmanns geboren wurde. Er trat in die Fu├čstapfen des Vaters und ging zum Milit├Ąr, nahm am Siebenj├Ąhrigen Krieg teil und erlernte dabei die Kriegsf├╝hrung. Er kletterte die milit├Ąrische Rang-Leiter nach oben, verlie├č die preu├čische Armee und sah sich im Ausland um. Schlie├člich ging Steuben nach Nordamerika, wo er in die amerikanische Kontinentalarmee eintrat. Dort sorgte er f├╝r Disziplinierung und Organisation sowie der Ein├╝bung der Truppen und war zeitweilig Generalstabschef George Washingtons. Er gilt als Architekt der amerikanischen Unabh├Ąngigkeit auf milit├Ąrischer Ebene und wird deshalb in Amerika hoch verehrt. Alleine sechs St├Ądte tragen seinen Namen.

Das Magdeburger Denkmal war die Kopie des Denkmals, welches im Lafayette Park vor dem Wei├čen Haus in Washington steht. Der Reisef├╝hrer meinte, dass der Pr├Ąsident von Amerika, wenn er morgens aus dem Fenster sieht, auf einen Magdeburger blickt.

Magdeburger Dom - einger├╝stet Portal des Doms

Mit unserer Ankunft am Dom war die Stadtrundfahrt beendet und wir stiegen aus. Zun├Ąchst wollten wir den Dom, das ├Ąlteste gotische Geb├Ąude Deutschlands, besichtigen und erfuhren, dass der Hauptzugang seit Jahrhunderten durch den Sarkophag. Vor dem m├Ąchtigen (leider teilweise einger├╝steten) Geb├Ąude informierte uns der Stadtf├╝hrer ├╝ber Sehenswertes im Inneren. So sollten wir uns unbedingt das Grab Kaiser Otto I. (des Gro├čen) ansehen und auch das Taufbecken, welches der Kaiser aus Norditalien, wo es Teil eines Brunnens war, mit nach Magdeburg gebracht hatte. Das Taufbecken soll noch viel ├Ąlter sein, denn es stammte urspr├╝nglich aus ├ägypten, wo der Stein in der N├Ąhe Hurghadas gebrochen worden war.

Das Langschiff
Seitenschiff Taufbecken

Der Dom beeindruckte durch seine Gr├Â├če und die einzelnen Schmuckelemente. Im n├Ârdlichen Seitenschiff, an eine der hohen S├Ąulen gelehnt, steht die sechzehneckige Kapelle. Blickt man durch die durchbrochenen Steinfenster ins Innere, sieht man ein sitzendes Skulpturenpaar aus dem 14. Jahrhundert, das sogenannte Herrscherpaar. Es soll sich dabei um Otto I. und seine Ehefrau Editha handeln.

Herrscherpaar in der Kapelle Chor mit Grab Otto I.

Das Grabmal Otto I. war im Chor zu finden. Der Stadtf├╝hrer hatte nur gesagt, dass das Grab in diesem Teil des Domes stehen sollte, jedoch nicht genau wo. Daher hatten viele von uns angenommen, dass es sich dabei um den reich verzierten Marmorsakophag hinter dem Chor handelte. Der eher unscheinbare Steinsarg im Chorraum - das schmucklose Grab des Kaisers - wurde dagegen weniger beachtet.

 


 

 

Durch eine T├╝r gelangte man in den s├╝dlich des Doms gelegenen Kreuzgang. Gleich nach dem Eingang stand man vor einer halben gotischen Kuppel, der Tonsurkapelle, mit einer Jesusfigur im Zentrum. In beiden Richtungen ging es von hier unter den Arkaden - dem Kreuzgang - rings um den Innenhof. Hier im Kreuzgang waren vor einiger Zeit Reste des 937 gegr├╝ndeten St. Mauritius-Klosters gefunden worden, welches vermutlich durch einen Brand im 13. Jahrhundert zerst├Ârt worden war.

 

Kreuzgang

Sarkophag Erzbischof Ernst von Sachsens vor dem Hauptportal
 
Vor dem Dom

Einer der hier in Magdeburg residierenden Erzbisch├Âfe war Ernst II. von Sachsen, der Ende des 15. Anfang des 16, Jahrhunderts den Dombau vorantrieb. Sein Grabgelege vor dem Hauptportal zwang seit 1513, dem Todesjahr des Erzbischofs, alle Gl├Ąubigen, den Seiteneingang zu benutzen, wollten sie in den Dom gelangen. Das war der Eingang, durch den auch wir das Geb├Ąude betreten und nun, nach der Besichtigung, wieder verlassen hatten.

Vom Dom aus waren es nur einige Schritte bis zu einer Art Stadtplan, der auf einem Sockel montiert war und plastisch die Stadt Magdeburg in vergangenen Zeiten mit Stadtmauer und anderen Befestigungen  zeigte.

Am Stadtplan ├ťberbleibsel vom Kaiserpalast
Blick ├╝ber den Domplatz zum Hundertwasserhaus Rundgang am Domplatz

Wenige Schritte waren es von diesem Stadtplan bis zu zwei steinernen S├Ąulen. Sie sollen die einzigen ├ťberbleibsel des einstigen Kaiserpalastes von Otto I. sein, wie uns der Stadtf├╝hrer sagte. Wie sich durch arch├Ąologische Grabungen zeigte, befand sich der Palast einst an der Westseite des heutigen Platzes.

Bei den meisten, der um den Domplatz liegenden Geb├Ąude handelt es sich um H├Ąuser der Landesregierung. Die barocken Fassaden mussten nach der Zerst├Ârung im Krieg wieder aufgebaut werden und beherbergen neben dem Sitz des Ministerpr├Ąsidenten, Ministerien und das Parlament von Sachsen-Anhalt. Auch hier gab es viele Geschichten zu erz├Ąhlen, die zu den verschiedenen H├Ąusern geh├Ârten. Eine handelte davon, dass vor Jahrhunderten ein verdienstvoller Beamter das entsprechende Haus auf Lebenszeit unentgeltlich bewohnen durfte, dieses Recht aber nicht beanspruchte, weil er wegen Hochverrats lieber die Gastlichkeit des Magdeburger Kerkers in Anspruch nahm.

 


 

Wir beendeten die Besichtigung des Domplatzes und seiner Geb├Ąude und bogen in die angrenzende Kreuzgangstra├če ein. Hier stand ein weiteres Wahrzeichen der Stadt: Die Gr├╝ne Zitadelle.

Dabei handelt es sich um das sogenannte Hundertwasser-Haus.

Der Geb├Ąudekomplex hatte den Namen "Gr├╝ne Zitadelle" deshalb erhalten, weil er von oben betrachtet eher wie ein gr├╝ner Park aussah. Das dies tats├Ąchlich so ist, kann man unter "Google" schnell ├╝berpr├╝fen. Friedensreich Hundertwasser war nach der politischen Wende von den Stadtv├Ątern angeschrieben worden, die ihn um Hilfe gebeten hatten, ein Haus f├╝r den Breiten Weg zu entwerfen. Hundertwasser, damals in Wien lebend, sah die Bilder der "Betonw├╝ste" die nach den Kriegssch├Ąden hier entstanden war und nahm sich des Projektes an. Es sollte das letzte seiner Geb├Ąude werden. Er plante es von Neuseelland aus, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Hundertwasser starb im Jahr 2000 und man beriet, ob man ├╝berhaupt ein solches Geb├Ąude bauen konnte, ohne das der Planer um Rat gefragt werden k├Ânne. Man entschied sich schlie├člich f├╝r die Bauausf├╝hrung weil die Pl├Ąne bis ins Detail fertiggestellt waren. Die Grundsteinlegung war im Jahr 2003 und die Fertigstellung zwei Jahre sp├Ąter, 2005. Seitdem ist das Geb├Ąude einer der Besuchermagneten der Stadt. Auch wir durchquerten das Geb├Ąude durch geschwungene Tunnel und Passagen, die in Innenh├Âfe f├╝hrten von denen man zur anderen Seite des Hauses gelangte.

Die Gr├╝ne Zitadelle

Die Gr├╝ne Zitadelle spuckte uns auf der zum Breiten Weg gelegenen Seite aus, wo wir einen Blick auf die Klosterkirche 'Unserer Lieben Frauen werfen konnten. Der Himmel hatte sich inzwischen mit Wolken verhangen und das Wettergl├╝ck schien uns zu verlassen. Wir waren aber eigentlich mit unserem Besichtigungsprogramm am Ende angelangt, weshalb wir uns auf den Weg zum Kaffee K├Âhler machten, wo f├╝r uns Pl├Ątze reserviert waren. Wir ├╝berquerten den Breiten Weg und gelangten an einen Platz mit einem Brunnen in dessen Zentrum.

Kloster Unserer Lieben Frauen
Auf dem Weg zum Kaffeehaus K├Âhler Apel-Brunnen

Der im Jahr 1986 von Heinrich Apel geschaffene Brunnen mit seinen 22 Figuren soll Sinnesfreuden verstr├Âmen. Diese Freuden waren uns aber in diesem Augenblick egal, denn es begann tats├Ąchlich zu nieseln. Zum Gl├╝ck stand das Kaffeehaus an diesem Platz und wir beeilten uns, dass wir ins Trockene kamen.

Im Kaffee angelangt verabschiedeten wir uns von Herrn Hamsch vom Tourismusb├╝ro Touralis und bedankten uns f├╝r seine informative und sehr kurzweilige F├╝hrung. Wer die Dienste des Tourismusb├╝ros in Anspruch nehmen m├Âchte - was sehr zu empfehlen ist - erreicht es hier >>>

Kaffee K├Âhler

Nachdem wir uns bei Kaffee und Kuchen gest├Ąrkt hatten, verabredeten wir, uns um 17.00 Uhr wieder am Bus, der noch immer vor dem Dom stand, zu treffen. Einige wollten noch eine Weile hier sitzen, w├Ąhrend andere auf Souvenir-Jagd gingen oder sich noch etwas ansehen wollten. F├╝r das Ausw├Ąhlen und Suchen von Andenken boten sich die kleinen L├Ąden im Erdgeschoss des Hundertwasserhauses an, die in den H├Âfen zu finden waren. Zum Gl├╝ck war das Regengebiet schon wieder abgezogen, so dass wir unsere letzte Stunde in Magdeburg ohne Feuchtigkeit von oben und Regenschirm verbringen konnten. Als wir zum Domplatz zur├╝ckkehrten ragte der Dom sogar schon wieder in den blauem Himmel.

 


R├╝ckfahrt und Ankunft in Hochstedt

P├╝nktlich zur vereinbarten Zeit hie├č es dann Abschied von Magdeburg zu nehmen. Da der Verkehrsfunk eine Stauwarnung f├╝r unserer Strecke herausgegeben hatte, fuhren wir per Landstra├če zur Autobahn 71 und waren gegen 20.15 Uhr wieder in Hochstedt. Damit ging ein sehr sch├Âner Tag, an dem wir dem Regen ein Schnippchen geschlagen hatten, zu Ende.